WIR  
Wildeshauser 

Initiative für 

Radverkehr

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Fußgängerzone Wildeshausen

offener Brief zum KFZ-Verkehr in der Westerstraße


An den Bürgermeister Jens Kuraschinski, die Fraktionen im Stadtrat von Wildeshausen und die Bürgermeisterkandidaten Matthias Ruhle, Jan Kreienborg und Jens-Peter Hennken

Wildeshausen, den 21. 07. 2026


Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Bürgerinitiative „WIR“ hatte während einer Veranstaltung einen Teil von 50 Fragen von Wildeshauser Bürgern zur Radfahrinfrastruktur an die Bürgermeisterkandidaten weitergegeben. Ein Thema der Bürger war die Fußgängerzone Westerstraße.

Nach dem Ende der Veranstaltung gab ein ehemaliger Geschäftsmann der Westerstraße ein Statement zur Fußgängerzone Westerstraße ab. Er schloss mit den Worten: „Eine Fußgängerzone wird es in Wildeshausen nie geben“. 

Wer so denkt, lebt in der Vergangenheit, möchte Bestehendes nur bewahren und nicht an die Zukunft denken. Er blockiert jede Weiterentwicklung.

Das wirft natürlich einige Fragen auf. Wie kann der Sprecher von vielleicht einem Dutzend Geschäftsleute der Westerstraße diese Aussage so bestimmend treffen? Das geht nur, wenn er die Mehrheit der Politik und der Bevölkerung hinter sich weiß.
Das wiederum impliziert die Frage nach dem demokratischen Verständnis der
Volksvertreter. Nach vielen Gesprächen mit Bürgern haben WIR nämlich feststellen können, dass der überwiegende Teil der Bürger für eine autofreie Westerstraße ist.
Sollte von Teilen der Politik wirklich angezweifelt werden, dass die Mehrheit der
Bevölkerung gegen eine Fußgängerzone Westerstraße ist, gibt es noch die Möglichkeit, die Bürger direkt danach zu fragen und eine Bürgerbefragung zu starten.

Die Westerstraße ist keine lebendige Einkaufsmeile. Denkt man sich einmal den KFZ-
Verkehr heraus, erkennt man, dass im Vergleich zu anderen Städten mit Fußgängerzonen hier an manchen Tagen sehr wenig Publikumsverkehr vorhanden ist. Der bestehende Zustand macht deutlich, dass nicht Autos, sondern Menschen die Kundschaft des Einzelhandels sind.

Aussagen der KFZ-Verkehrs-Befürworter wie, "man kann von einem 

Café aus unterschiedlichen Autos und Motorräder bei der Durchfahrt beobachten“ sind nicht nachvollziehbar.


Natürlich bleibt es jedem Geschäftsmann vorbehalten, sein Geschäft nach seinen
Vorstellungen zu gestalten. Erfolg oder Misserfolg liegt in seiner Hand, aber sein Handeln hat aber auch Einfluss auf die Stadtentwicklung.

Alle, die gegen eine Begrenzung des Fahrzeugverkehrs in der Innenstadt sind, sollten sich bei schönem lauem Sommerwetter auf den Marktplatz setzen und versuchen, den Abend bei einem netten Gespräch zu genießen. Das ist unmöglich. Es gibt sogar Bürger, die wegen des Autoverkehrs die Innenstadt meiden.

Autos tragen zur Erwärmung der Stadt bei, direkt durch Motoren, Reifen und
Bremsvorgänge. Insbesondere die gespeicherte Wärme von geparkten Fahrzeugen
verschärfen den Hitzestress und verhindern die nächtliche Abkühlung. Studien zeigen, dass der Kraftfahrzeugverkehr in Städten für bis zu 30 % der Treibhausgasemissionen
verantwortlich ist. Durch Entsiegelung von Parkplätzen werden Flächen für zusätzliche
Bäume und Büsche frei.

Im Mai 2026 berichtete die Wildeshauser Zeitung, dass innerhalb von 10 Jahren die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe um ein Viertel geschrumpft ist. Insbesondere kleinere Betriebe sind weggefallen. Dagegen ist die Verkaufsfläche der SB-Märkte gestiegen. Die Situation zwischen der Innenstadt und dem Westring lässt sich nicht vergleichen. Es hilft überhaupt nicht weiter, wenn die Innenstadt den Westring kopieren will. Für die Innenstadt muss es ein anderes Konzept geben.

Mittelfristig und langfristig wird der augenblickliche Zustand das Aus für die Innenstadt bedeuten.

Kleine und große Städte im Umkreis von rund 100 km von Wildeshausen sind mit
Fußgängerzonen ausgestattet: Achim, Verden, Rotenburg, Buchholz, Buxtehude, Stade,
Otterndorf, Cuxhaven, Vegesack, Blumenthal, Osterholz-Scharmbeck, Brake, Nordenham, Varel, Jever, Wittmund, Esens, Wiesmoor, Norden, Emden, Aurich, Leer, Papenburg, Lingen, Cloppenburg, Westerstede, usw..

Die großen Städte Bremen und Bremerhaven und die kreisfreien Städte Oldenburg,
Delmenhorst und Wilhelmshaven wurden wegen ihrer Einwohnerstärke hier nicht erwähnt.

Alle verbleibenden größeren Städte sind wie Wildeshausen Kreisstädte. Wahrscheinlich gibt es weitere Städte mit Fußgängerzonen, die hier nicht aufgeführt sind. Auch ist es möglich, dass der Strukturwandel im Einzelhandel in einigen Fußgängerzonen zu Leerständen geführt hat. Diese Leerstände wären aber auch ohne Fußgängerzone wahrscheinlich.

"Der größte Feind des Einzelhandels ist nicht Amazon.“

Das klingt zunächst falsch.
Schließlich bestellen Millionen Menschen online und viele Innenstädte kämpfen ums
Überleben.
Aber bevor Menschen etwas kaufen, müssen sie überhaupt dort sein wollen.

Die erfolgreichsten Orte der Welt sind selten die mit den meisten Parkplätzen, dem meisten Verkehr oder den meisten Fahrspuren.
Sie sind die Orte, an denen Menschen gerne Zeit verbringen.
• Orte mit Cafés.
• Mit Bäumen.
• Mit Plätzen zum Verweilen.
• Mit Straßen, die für Menschen gestaltet wurden.

Menschen kaufen dort ein, wo sie sich wohlfühlen.
Deshalb ist die eigentliche Frage nicht:
„Wie behalten wir Autos in der Innenstadt?"
Sondern:
„Wie schaffen wir Orte, an denen Menschen gerne bleiben?"

Vielleicht ist der größte Feind des Einzelhandels nicht Amazon.
Vielleicht sind es Städte, die vergessen haben, das sie für Menschen gebaut wurden.

WIR würden gerne wissen, wie Ihre Einstellung zur Fußgängerzone in der Westerstraße ist. Ein einfaches dafür oder dagegen und eine kurze Begründung würde uns reichen.

Bitte teilen Sie uns bitte bis Mitte August 2026 Ihre Ansicht zur Fußgängerzone
„Westerstrasse“ mit. Keine Antwort bewerten WIR mit „dagegen“.
Bitte nutzen Sie diese E-Mail-Anschrift: [email protected]

Vielen Dank und viele Grüße

Das aktuelle WIR-Team
Hans-Georg Kolloge
Thomas Lammers
Frank Poppe
Martin Bruns


Deutscher Städtetag

Die Städte wollen die Verkehrswende.
 
Stau, Stress, alles voller Autos: Wir müssen dringend was ändern, sagen die  deutschen Städte - und fordern eine grundlegend andere Verkehrspolitik mit weniger Platz für Autos, einem massiven Ausbau von ÖPNV und intelligenten Verkehrskonzepten. Der Deutsche Städtetag hat jetzt ein entsprechendes Positionspapier vorgelegt.

Der Sound der Stadt - den Bürgermeistern, die im Deutschen Städtetag organisiert sind, gefällt er nicht. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagt, so gehe es nicht mehr weiter. 
"Die Städte ersticken teilweise im Verkehr. Wir müssen hinkommen zu einer Verkehrswende, zu einer grundlegenden Umorientierung im Verkehr der Städte." 
Helmut Dedy, Deutscher Städtetag 

BR vom 22. 06. 2018

„Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten.“ Dieses Zitat stammt von keinem Geringeren als dem französischen Automanager und Ex-Vorstand bei VW, Daniel Goeudevert. Das Angebot bestimmt in diesem Fall maßgeblich die Nachfrage. Mehr Autobahnen fördern den Autoverkehr, mehr Radwege fördern den Radverkehr und mehr attraktive Bahn- und Busverbindungen den Bahn- und Busverkehr. 


Mehr Informationen zum Radverkehr im Landkreis Oldenburg gibt es bei der KIR

Die Kreis Initiative Rad (KIR) ist eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Landkreis Oldenburg, die sich für sichere und umweltfreundliche Mobilität engagiert.